DIE INITIATIVE

Wir sind eine Gruppe von Professorinnen und Professoren: Dr. Heiner Brockmann, Dr. Achim Bühl, Dr. Dieter Gloede, Dr. Susanne Junker, Dr. Matthias Schmidt, Dr. Hans Schmitz, Dr.-Ing. Werner Ullmann.

Die Initiative zur Umbenennung der Beuth Hochschule für Technik Berlin wurde am 8. Oktober 2018 von uns gegründet.

Die Initiative nimmt aktiv am Diskurs über C. P. W. Beuth teil, klärt über Hintergründe auf und informiert über die Medienresonanz. Sie organisiert Veranstaltungen und versteht sich als Sprachrohr der Befürworter und Befürworterinnen einer Umbenennung.

UNSERE ANLIEGEN

Die Hochschule braucht einen Namen, der mit unserem Leitbild vereinbar ist.

"Die Beuth Hochschule und ihre Einrichtungen stehen für Offenheit und Toleranz gegenüber allen Menschen. In diesem Sinne begreift es die Hochschule als ihre vorrangige Verpflichtung, gesellschaftliche Schranken zu überbrücken, Vorurteile abzubauen sowie den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern."

So heißt es im Leitbild unserer Hochschule. Weil Offenheit und Toleranz Voraussetzungen für gemeinsames Lernen und Arbeiten sind, die wir täglich aufs Neue schaffen müssen.

Aber: Der Name Beuth steht nicht mehr allein für Fortschritt in Bildung, Technik und Gewerbe, sondern auch für Feindseligkeit und Intoleranz gegenüber Menschen jüdischer Herkunft. In diesem Sinne hielt C. P. W. Beuth als Ministerialbeamter gesellschaftliche Schranken geschlossen, als Mitglied der Deutschen Tischgesellschaft verstärkte er seinerzeit gängige Vorurteile und verweigerte den Dialog mit Juden.

Seitdem neue, eindeutige Forschungsergebnisse auch diese andere Seite von Beuths Denken und Handeln gezeigt haben, ist sein Name untrennbar mit dem Gegenteil dessen verknüpft, was den Hochschulmitgliedern vorrangige Verpflichtung sein sollte.

Es wäre paradox, diesen Namen beizubehalten.

Wir appellieren an die Mitglieder der Akademischen Versammlung, wieder eindeutig erkennbar zu machen, worin der Wertekonsens an unserer Hochschule besteht.

 

Beuths Leistungen sollen in angemessener Form gewürdigt werden.

C. P. W. Beuths Verdienste dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Seine Geschichte steht exemplarisch für die historische Entwicklung der modernen Industriegesellschaft in Deutschland und liefert Denkanstöße für alle, die sich unvoreingenommen mit den Licht- und Schattenseiten seines Wirkens auseinandersetzen.

Eine angemessene Würdigung C. P. W. Beuths kann aber nur in einem Kontext erfolgen, der einer solchen Auseinandersetzung Raum bietet. Seinen Namen auf allen Dokumenten und im tagtäglichen Sprachgebrauch an der Hochschule zu nennen, eröffnet keine Möglichkeit, sich mit ihm zu beschäftigen. Es lässt den Hochschulmitgliedern nur die Wahl, sich zu diesem Namen zu bekennen, sich für ihn zu schämen oder ihn zu ignorieren.

Wir unterstützen alle Bemühungen, dem Gedenken an C. P. W. Beuth ein geeignetes Format zu geben (z. B. durch eine Dauerausstellung in Haus Beuth).

 

Ethnische Diskriminierung muss indiskutabel bleiben.

Beuths judenfeindliche Entgleisungen sind menschenverachtend und abstoßend. Weit verbreitete antisemitische Tendenzen in der damaligen Gesellschaft können sein Verhalten teilweise erklären, machen es aber nicht besser. Auch seine herausragenden Leistungen und vergleichbare Äußerungen anderer historischer Persönlichkeiten mindern in keiner Weise die diskriminierende Wirkung der Worte und Taten, mit denen er seinen jüdischen Zeitgenossen entgegentrat.

Auch heute sind ethnische Ressentiments in Teilen unserer Gesellschaft konsensfähig.

Es darf deshalb bei niemandem der Eindruck entstehen, wir hielten es in manchen Fällen für weniger schwerwiegend, wenn Angehörige von Minderheiten im Umfeld der Hochschule benachteiligt, herabgewürdigt oder gar mit Gewalt bedroht werden.

Wir rufen dazu auf, nicht der Illusion zu erliegen, angesichts anderweitiger Verdienste könne auch ein Antisemit gemeinsame Leitfigur aller Hochschulmitglieder sein.

 

Die Hochschule kann ein Zeichen setzen für die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft.

Wissen ist eine Ressource, die zum Nutzen, aber auch zum Schaden anderer Menschen eingesetzt werden kann. Fachliche Exzellenz wird unethische Handlungsmaximen deshalb niemals kompensieren, sondern deren Wirkung nur verschlimmern.

Das Vertrauen, das die Hochschulen in der Öffentlichkeit genießen, ist unverzichtbare Grundlage unserer Arbeit. Es ginge verloren, wenn wir Anlass zu Zweifeln gäben, uns dem Wohlergehen aller Menschen gleichermaßen verpflichtet zu fühlen.

Wir sehen die Umbenennung als willkommene Gelegenheit, die Hochschule mit ihrem gesetzlichen Bildungsauftrag in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.

Und wir sagen, was Sache ist: Technik hat Zukunft. In Berlin.

Technik ist unsere Kernkompetenz. Berlin ist "the place to be" für innovative junge Menschen aus aller Welt.

Ohne den Namenszusatz "Beuth" rücken wir diese Stärken in den Vordergrund. Stärken, die es leicht machen, sich mit der Hochschule zu identifizieren. Studierende und Kooperationspartner gewinnen wir durch ein überzeugendes Leistungsangebot nicht durch einen Namen, der irritiert.

Wir setzen uns für einen Namen ein, der in die Zukunft weist. Mit Technik in Berlin.

 

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Weitere Informationen finden Sie hier: https://prof.beuth-hochschule.de/schmidt/initiative-zur-umbenennung-der-hochschule/

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Hier einige persönliche Überlegungen zu einigen Argumenten in der Diskussion: