Argumente der Befürworter/innen einer Beibehaltung des Namens und Gegenargumente

Argumente der Befürworter einer Beibehaltung des Namens „Beuth“

1.    Die Tischrede Beuths sollte nicht überbewertet werden.

2.    Die Verdienste Beuths überwiegen seinen Antisemitismus.

3.    Man solle weder Beuth noch andere Persönlichkeiten aus der Geschichte tilgen.

4.    Eine Neubenennung der Hochschule würde die Diskussion um Antisemitismus beenden.

5.    Die jüdische Gemeinde würde sich mit einer Neubenennung keinen Gefallen tun.

Argumente und Gegenargumente im Einzelnen

1. Die Tischrede Beuths sollte nicht überbewertet werden.

Die Tischrede Beuth sei der einzige Beleg für Beuths Antisemitismus. Auch sei die Tischrede lediglich ein Ausrutscher gewesen, der im Rahmen einer nicht-öffentlichen Sitzung der Tischgesellschaft geschah. Nicht zuletzt sei Beuth noch ein junger Mann gewesen.

·       Die Tischrede ist nicht der einzige Hinweis auf Beuths antisemitische Gesinnung. Bereits die Mitgliedschaft in der Tischgesellschaft ist vielmehr Ausdruck einer antisemitischen Gesinnung. Denn: Die Tischgesellschaft hat Juden als Mitglieder nicht zugelassen (nicht mal zum Christentum konvertierte Juden). Frauen übrigens auch nicht.

·       Die Treffen von Menschen in Tischgesellschaften und vergleichbaren Zirkeln (Salons) hatten damals durchaus auch eine öffentliche Strahlkraft: Meinungsbildung fand eben damals auch in solchen Zirkeln statt und deren Mitglieder waren immer auch Multiplikatoren für Meinungen, die in solchen Zirkeln vorherrschten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass es damals auch Zirkel gab, die im Sinne der Toleranz, der Demokratie und der Religionsfreit wirkten, darunter auch Zirkel, die von Frauen organisiert wurden.

·       Ferner hat Beuth in seiner Funktion als Staatsrat Preußens gegen die Einführung von Gesetzen gewirkt, die auf ein höheres Maß an Religionsfreiheit für Juden gebracht hätten. So opponierte Beuth insbesondere gegen die sogenannte Judenemanzipationsgesetzgebung und deren Anwendung in allen Teilen Preußens.

·       Beuth hielt die Tischrede im Alter von 31 Jahren.

2. Die Verdienste Beuths überwiegen seinen Antisemitismus.

Beuth habe seine Verdienste und die würden die antisemitischen Äußerungen überwiegen.

Niemand bestreitet die Verdienste Beuths. Diese wurden auch schon gewürdigt, als unsere Hochschule noch „Technische Fachhochschule Berlin“ hieß. Diese sollen auch zukünftig gewürdigt werden. Allerdings steht der Antisemitismus von Beuth in einem zu starken Gegensatz zum Anspruch, den unsere Hochschule in ihrem Leitbild formuliert hat (siehe http://www.beuth-hochschule.de/129/):

„Die Beuth Hochschule und ihre Einrichtungen stehen für Offenheit und Toleranz gegenüber allen Menschen. In diesem Sinne begreift es die Hochschule als ihre vorrangige Verpflichtung, gesellschaftliche Schranken zu überbrücken, Vorurteile abzubauen sowie den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern. Sie leistet damit ihren Beitrag zu einer humanen Gemeinschaft.“

Beuths Tischrede wie sein Wirken als Staatsrat stehen nicht für Toleranz, der Überbrückung von gesellschaftlichen Schranken, einem Dialog zwischen den Kulturen oder können gar als Beitrag zu einer humanen Gesellschaft verstanden werden.

3. Man solle weder Beuth noch andere Persönlichkeiten aus der Geschichte tilgen.

Man solle weder Beuth noch andere Persönlichkeiten aus der Geschichte tilgen, nur weil sie neben ihren Verdiensten eben auch Aussagen getroffen hätten, die wir aus der heutigen Zeit kritisch beurteilen würden.

Niemand will Beuth oder sonst wen aus der Geschichte tilgen. Niemand will die Verdienste Beuths oder andere Menschen in der Vergangenheit bestreiten. Wir stellen uns heute lediglich der Frage, ob wir uns als Hochschule derart mit der Person Beuth identifizieren können, dass wir uns Beuth Hochschule nennen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ferner ist es wissenschaftlich unstrittig, dass Beuth auch in der damaligen Zeit ein eher extremer Antisemit war. In einer Zeit nämlich, in der es vielerlei Bestrebungen gegeben hat, im Sinne unseres Leitbilds eine humanere Gemeinschaft zu schaffen und insbesondere ein größeres Maß an Toleranz gegenüber allen Menschen walten zu lassen. Diesen Bestrebungen fühlte sich Beuth jedoch nicht verbunden. Vielmehr hat sich Beuth der Tischgesellschaft angeschlossen, in der Juden nicht Mitglieder werden konnten, hat seine üble, menschenverachtende Tischrede gehalten und darüber hinaus in seiner Funktion als Staatsrat Preußens gegen die Einführung von Gesetzen gewirkt, die auf ein höheres Maß an Religionsfreiheit für Juden gebracht hätten.

4. Eine Neubenennung der Hochschule würde die Diskussion um Antisemitismus beenden.

Mit einer Neubenennung der Hochschule würden wir die Diskussion um Antisemitismus ja gerade abwürgen. Dagegen wäre die Beibehaltung des Namens mit dem Auftrag verbunden, sich immer wieder mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Mit einer Neubenennung würde keine Diskussion um Antisemitismus abgewürgt, sondern eine logische Schlussfolgerung nach einer Diskussion um Antisemitismus gesetzt. Mit einer Dokumentation dieser Diskussion – auf der Website und/oder in einem eigenen Raum und/oder in anderer Art und Weise – könnte diese Auseinandersetzung auf einfache und überzeugende Art und Weise verstetigt werden.

Auch ist nicht klar, wie man angesichts der zutage getretenen Fakten und nach der Diskussion den Namen beibehalten könnte. Sollte man etwa das Leitbild ergänzen:

„Die Beuth Hochschule und ihre Einrichtungen stehen – anders als ihr Namensgeber Peter Christian Wilhelm Beuth – für Offenheit und Toleranz gegenüber allen Menschen. In diesem Sinne begreift es die Hochschule als ihre vorrangige Verpflichtung, gesellschaftliche Schranken zu überbrücken, Vorurteile abzubauen sowie den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern. Um dieser Verpflichtung gerecht zu werden, möchte Sie trotz des antisemitischen Denkens und Wirkens von Peter Christian Wilhelm Beuth den Namen Beuth weiter führen, um insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus zu fördern. Sie leistet damit ihren Beitrag zu einer humanen Gemeinschaft.“

Es ist naheliegend, dass eine solche Ergänzung des Leitbildes wenig überzeugend wäre – genauso wenig überzeugend wäre es jedoch, auf den Widerspruch zwischen unserem Leitbild und dem Wirken und Denken Beuths gar nicht einzugehen.

Zudem: Sollten Vertreter*innen der Hochschule zukünftig auf Studieninformationstagen und Veranstaltungen zur Begrüßung von Erstsemestern regelmäßig als erstes eine Distanzierung vom antisemitischen Denken und Wirken Beuths vornehmen?

5. Die jüdische Gemeinde würde sich mit einer Neubenennung keinen Gefallen tun.

Die jüdische Gemeinde würde sich keinen Gefallen tun, wenn die Beuth Hochschule ihren Namen änderte.

Die Diskussion um das antisemitische Denken und Wirken Beuths und die Implikationen für die Namensgebung unserer Hochschule wurde durch die Forschung eines Professors dieser Hochschule, Prof. Dr. Achim Bühl, ausgelöst und zuvörderst durch die Mitglieder dieser Hochschule geführt (bislang etwa im Rahmen folgender Veranstaltungen: Jour Fix, Sitzung des Akademischen Senats (AS), Sitzung des Fachbereichsrates am FB I, Informationsveranstaltung des Fachbereich I, Sitzung von Arbeitsgruppen zum Thema „Antisemitismus und Beuth“ des FB I und des AS, etc.). Es ist eine Angelegenheit dieser Hochschule, mit der weder der jüdischen Gemeinde noch sonst einer gesellschaftlichen Gruppe ein Gefallen getan werden soll. Im Übrigen hat auch weder die jüdische Gemeinde noch eine andere gesellschaftliche Gruppe um den Gefallen gebeten, Hochschulen nach Antisemiten oder anderen Rassisten zu benennen.

Gleichwohl hat diese Hochschule durchaus den Anspruch (siehe Leitbild http://www.beuth-hochschule.de/129/) „gesellschaftliche Schranken zu überbrücken, Vorurteile abzubauen sowie den Dialog zwischen den Kulturen zu fördern“ und damit „ihren Beitrag zu einer humanen Gemeinschaft“ zu leisten. Und vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte geht es dabei vor allem auch um die Überbrückung von Schranken zur jüdischen Gemeinde, dem Abbau von Vorurteilen gegenüber dem jüdischen Glauben und der Förderung des Dialogs mit der jüdischen Kultur.