Lehreinheiten / Veranstaltungen im WS 2017/18

 

Bachelor-Studiengang Modul B 05 (156067)
Baugeschichte BG  I — Vorlesung

Bachelor-Studiengang Modul B 05 (156067)
Architekturlehre resp. –theorie AT — Vorlesung

Bachelor-Studiengang Modul B 13 (153023)
Baugeschichte/ Architekturtheorie II — Vorlesung

Bachelor-Studiengang Modul B 18 (153100)
Baugeschichte/ Architekturtheorie III — Vorlesung

 

 

Zum Geleit

»Ich verlange von einer Stadt, in der ich leben soll: Asphalt,
Straßenspülung, Haustürschlüssel, Luftheizung, Warmwasserleitung. —
Gemütlich bin ich selbst.«
Karl Kraus

»Unsere Städte sind stärker von Architekten als von Bomben ruiniert.
Die Bombe zerstört schlimmsten Falles bis zum Grunde,
der Architekt von Grund auf.«
Ernst Jünger

»Wenn es dem Architekten nicht gelingt,
allein mit der Stimmung seines Raumes den Mann zu zwingen,
den Hut abzunehmen und die Frau ihre Stimme zu zügeln,
ist er für diese Aufgabe nicht geschaffen.«
Theodor Fischer

»Moderne Architektur ist das aus der richtigen Erkenntns einer
fehlenden Notwendigkeit erschaffene Überflüssige.«
Karl Kraus

Architektur hat ihre eigenen Regeln — diese entstammen
nicht
der Unterhaltungsindustrie;
getreu dem Motto von Oswald Mathias Ungers

»Architektur ist Architektur. Alles andere ist alles andere.«

Baugeschichte

Leitsatz: Wider die Baugeschichte als Steinbruch der Motive

Baugeschichte ist keine Geschichte der Stile.
Baugeschichte ist Kulturgeschichte.
Kulturgeschichte ist Sozialgeschichte, Geistesgeschichte,
Mentalitätsgeschichte, Kunstgeschichte, Technikgeschichte.

Baugeschichte verfolgt die Geschichte der Kulturen und die Spuren
ihrer inneren Beschaffenheit, der die baulich-räumlichen und somit
strukturell, ästhetisch und konkret-bildhaft wirksamen Resultate der
Architektur (respektive der Baukunst) entwachsen.

Baugeschichte ist auch keine ausschließliche Geschichte der architektonischen Motive.

Die Szenerie Baugeschichte ist zu betrachten als ein komplexes Feld von Notwendigkeiten
und Strategien, von Ressourcen und Möglichkeiten unter jeweils spezifischen Bedingungen.

Die Architekturgeschichte ist mithin ein Terrain von jeweils kulturell determinierten Typologien,
die stets zunächst dem sozialen Gebrauch entwuchsen (und entwachsen);
ein Terrain mithin von Gebäudetypen und deren Variationen, die bestimmten,
immer historisch bedingten Möglichkeiten und den daran angelehnten Überlegungen
in Bezug auf Topos und Klima, Funktion und Struktur und technisch-konstruktiven Kriterien gehorchen.
Aus diesen, den (sozio–)kulturellen ästhetischen Codes — dies sind meist ungeschriebene Regeln —
und den Möglichkeiten der Architekten, diese zu erkennen, zu beherrschen und anzuwenden,
ergibt sich die architektonische Gestalt, mithin auch die Bildhaftigkeit der Architektur.

Baugeschichte resp. Architekturgeschichte — als dieses Feld betrachtet — gilt es grundsätzlich
unter der Bedingung in Augenschein zu nehmen, daß man sich bewußt bleibt,
daß man selbst von einem exakt definierten historischen Standpunkt aus — hic et nunc —
das vergangene Geschehen und die daraus erwachsenen,
mithin objektivierten resp. materialisierten baulich-räumlichen Resultate betrachtet und bewertet.

Das Sich-Bewegen auf dem Parkett Baugeschichte/ Architekturgeschichte
bedeutet deshalb immer nur Annäherung an Phänomene, die Spuren
der Relativität und der Spekulation in sich tragen.—

Bachelorstudiengang: Module B5  B13  B18  B25

Architekturtheorie

Leitsatz: Denken als Lustgewinn — Lust am Text

Architekturtheorie ist, wie alle Theorie, zunächst dies: eben Theorie.
Architekturtheorie ist als Begriff und Phänomen (normativ) nicht definierbar.
Architekturtheorie hat auch ästhetische Kategorien im Sucher.

Architekturtheorie ist immer spekulativ.

Architekturtheorie hat mit der Architekturpraxis zunächst eher wenig gemein.
Ausnahme bilden Gebäude, die als architekturtheoretische Manifestationen auftreten.
Architekturtheorie nämlich ist das zeitgebundene, ständig offene und offen zu haltende Feld,
auf dem man abstrakt, weil in Begriffen und/ oder in Bildern denkt und sucht,
analysiert und spekuliert, nachsinnt und auslegt, abwägt und urteilt, herleitet und nachweist,
behauptet und spricht und schreibt.
Die Ergebnisse der Architekturpraxis hingegen sind nie abstrakt, sondern immer konkret. —

Dies Art Theorie betreiben? — Hierzu gehören Neugierde und Lust am Denken,
sowie Lust am Text, verbunden mit Kritikfähigkeit und der Fähigkeit, Fragen zu stellen
und diese vor zu schnellen Antworten zu retten.—

Die Fähigkeit zu erkennendem Schauen ist dabei erste Voraussetzung,
sich sicher auf diesem Terrain zu bewegen.
Die zweite: die Kulturtechnik des Lesens zu beherrschen. —

Was Not tut: Architekturtheorie derart verstehen als nurmehr eine weitere mögliche Lesart
der Geschichte der Architektur und deren beständige, anhaltende Reflexion über sich selbst,
ihren Sinn und ihre Bedeutung im Kanon und im Kontext der Zeitläufte und im Widerstreit
und im Gegensatz und in ihrer Ungleichzeitigkeit auch anderen
(nicht nur sichtbaren, mithin objektivierten) Phänomenen unserer Kultur gegenüber. —

(Architektur–)Theorie mithin hat ihre eigene Praxis:
Das Schauen. — Das Denken. — Die kritische Reflexion. — Den Diskurs.

Bachelorstudiengang: Module  B 05  B 13  B 18  B 24
Masterstudiengang: Module  M 02  M 11

Bauen im Bestand

Leitsatz: Weiterbauen heißt Weiterdenken

Bauen im Bestand heißt weiterbauen.
Weiterbauen heißt umbauen, anbauen, einbauen, (dr)aufbauen.

Bauen im Bestand heißt demnach zunächst dies: Denken im Bestand.
Das Nachdenken über den Bestand steht mithin im Vordergrund.

Der bauliche Bestand, nicht nur der unserer Städte, ist geprägt durch unsere Kultur;
durch die Geschichte unserer Kultur. Der bauliche Bestand ist demnach, wie unsere Kultur,
Resultat von Kontinuitäten und Brüchen, Tradition und Erneuerung, Aneignung und Reflexion,
Besinnung und Innovation, von Überlieferung und In-Frage-Stellen.

Bauen im Bestand heißt demzufolge vor allem: die Fragen weiterdenken,
die sich aus diesen Dualismen ergeben. Das Prinzip Weiterbauen beruht mithin
auf dem Prinzip Weiterdenken: weiterdenken das, worüber andere zuvor schon nachgedacht,
weiterbauen an dem, was andere Generationen zuvor gebaut haben.

Weiterbauen — Weiterdenken:
Genau dies wird die kommenden Generationen von Architekten zunehmend beschäftigen.


Bachelorstudiengang: Modul    B 24
Masterstudiengang: Module  M 01a  M 07a  M 08a