DELFI Fachtagung für Bildungstechnologien erfolgreich durchgeführt

erstellt von Prof. Dr.-Ing. Johannes Konert |

Als Program Chair und lokaler Mitorganisator freue ich mich, dass die DELFI Fachtagung zu Bildungstechnologien unserer Fachgruppe der Gesellschaft für Informatik e.V. in Adlershof mit über 300 Teilnehmenden am 18.09.2019 erfolgreich abgeschlossen wurde.

Kaum eine Stadt hätte besser als Tagungsort für die DELFI & GMW 2019 gepasst, war das Motto dieses Jahr doch Teilhabe an Bildung und Wissenschaft. Gleich zum Auftakt am Montag, 16. September fanden sieben Workshops und ein Tutorial statt. Letzteres ganz im Sinne des Mottos rund um Tools für den Open Scientist und Open Educator. Die anschließende Welcome Reception wurde in regenbogenfarben aufgehellt durch Special Guest Jurassica Parka, der aus TV und anderen Medien bekannten Dragqueen mit offener und charmanter Berliner Schnauze. Jurassica startete auch prompt die ersten Verkupplungsspiele zwischen Mitgliedern der DELFI und GMW. Richtig ins Schwitzen brachte Sie Local Chair Prof. Dr. Niels Pinkwart, welcher ihr Rede und Antwort bezüglich der Tagungsziele stand.


Das Ziel, die Digitalisierung in Bildung und Wissenschaft aktiv mitzugestalten, griff am Dienstag morgen Prof. Dr. Petra Grell auf und beleuchtete Partizipation und Ausgrenzung im Kontext der Digitalisierung. Petra Grell zeigte auf, in welche Bestandteile die sogenannte Digitalisierung zerfällt und worauf es in der Wissenschaft wirklich ankommt, damit wir, sie, alle diese Zukunft gemeinsam gestalten. Sie spricht lieber von Mediatisierung und warnt davor, Digitalisierung zum Selbstzweck zu erheben. Sie mache der ganze "Anpassungswahn wahnsinnig" und mahnte die Rolle der Maschine und des Menschen stehts neu auszuhandeln und zu hinterfragen. 

Dementsprechend ermuntert gab es in den folgenden sechs Sessions und besonders im Rahmen der DEMO & Poster Session rege Diskussionen und Rückfragen.


Gleich zwei Keynotes eröffneten am Mittwoch die Tagung. Eva Kern und Julian Reimann forderten dazu auf, Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Hochschulkontext stehts zusammen zu denken. Als aktive Mitglieder der Digital Changemaker (studentische Arbeitsgruppen) des Hochschulforums Digitalisierung machten Sie Lust darauf, das in kurze erscheinende Thesenpapier der studentischen Aktivisten zu lesen. Im Anschluss zeigte die Geschäftsführerin und Visionärin Stefanie Trzecinski der HAND, KOPF & FUß gGmbH anschauliche Beispiele von digitalen Anwendungen, die sie gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft für die Inklusion entwickelt hat. Kühn verfolgt sie das Ziel, eine App für die unterschiedlichsten Zielgruppen zu entwickeln; bspw. Lernvideos mit Gebärdensprache und in einfacher Sprache mit nur einer Videospur zu produzieren (das ist besser wartbar). Dazu bedurfte es jedoch eines speziellen Players, der Videospuren stoppen kann, bis bspw. die 'Tonspur' in Gebärdensprache fertig erläutert wurde. Fünf Sessions folgten darauf ergänzt um eine weitere Demo & Poster Session, da es in diesem Jahr 31 Einreichungen bei DELFI & GMW dafür gab. Am Abend fand das festliche Tagungsdinner im Löwesaal der Löwe Höfe Berlin statt. Einer der Kellner war von ganz besonderer Art. Showkellner Pierre verzauberte das Publikum, indem er Besteck verwandelte und zahlreiche Gegenstände verschwinden ließ, wobei die Gästen nicht störte, dass er keinerlei Getränke servierte. Später wurden zahlreiche Auszeichnungen vergeben:

  • Beste Abschlussarbeit im Bereich E-Learning des Jahres 2018:  Kategorie Bachelor: Elias John (Humboldt-Universität zu Berlin), Titel: PLAY & CODE – Eine Serious Game basierte Lernplattform. Kategorie Master: Kevin Duss (Universität St. Gallen), Titel: IT-Tool für formatives Assessment und Feedback
  • Best Demo: Nadine Schröder (Universität Duisburg-Essen), Titel: EduArc – eine verteilte Infrastruktur für OER 
  • Best Poster: Thiemo Leonhardt (TU Dresden), Matthias Ehlenz (RWTH Aachen), Titel: Greifbares Lernen von Informatikinhalten - Aktive Tangibles auf kapazitiven Multitouch-Tischen
  • Best Paper: Justin Timm et al.  (Universität Duisburg-Essen), Titel: Technische Aspekte der automatischen Aufgabengenerierung für Blended Learning Angebote in der Biologie


Amy Ogen der Carnegie Mellon University, USA, erzählte in ihrer Keynote am Donnerstag anschaulich von ihren Abenteuern bei der Erforschung und Berücksichtigung von kulturellen Unterschieden bei/in Bildungstechnologien. Als 'WEIRD' bezeichnete sie die verbreiteten Lehrmeinungen und Richtlinien, also zu westlich, gebildet, industriell, reich und demokratisch geprägt. Ihre Beispiele unterstrichen, welch fatale Folgen dies in Projekten haben kann. Ihr englischsprachiger Vortrag wurde simultan durch den Lecture Translator des KIT übersetzt, so dass ihre Formulierungen in einer Vielzahl von Zielsprachen als Text auf den Bildschirmen der Zuhörenden erschien. Im weiteren Verlauf des Tages folgen sechs Sessions und das Doktorandenkolloqium, in diesem Jahr unter Leitung des Nachwuchsbeauftragten, Dr. Raphael Zender. In der Abschlussveranstaltung dankten alle Anwesenden mit einem tosenden Applaus den zahlreichen Helfenden der Tagung. In ihren weiß-leuchtenden Teilhabe-Shirts waren sie stehts schon da, wenn man daran dachte, dass man beim Beamer, Tische aufstellen, Kabel ziehen, Fotografieren und vielem mehr Hilfe brauchen könnte. Sie betreuten alle Teilnehmenden über vier Tage so hervorragend, dass zur Vermeidung einer Erschöpfung jedem eine Flasche gesunden Gemüsesaftes geschenkt wurde. Möge die Stärkung alle Strapazen vergessen lassen und dem weiteren Studium dienlich sein. Ebenso herzlicher Dank geht an das Team des Computer und Medien Service der Humboldt-Universität für die Aufzeichnung der Keynotes, die als Videostream online verfügbar sind. Zudem erstellten sie ein 2-minütiges Kurzvideo, welches als Zusammenfassung der gelungenen Tagung Eindrücke vermittelt (siehe http://www.delfi2019.de/news/abschlussvideo-delfi-und-gmw-2019/).


Bildschirmfoto des Abschlussvideos DELFI 2019
Abschlussvideo (2min) DELFI 2019